Gertrud Kolmar (1894-1943)
Victor Klemperer (1881-1960)
Etty Hillesum (1914-1943)
Im Tutorium des BSTR vom 3. Juni 2009 haben wir uns anhand ausgewählter Texte und Referate dem Umgang mit existentiellen Krisen zugewandt. Mit einer gewissen Scheu tauche ich ein in die Gedanken dreier Autoren. Ihre Krisen waren nicht nur, aber vor allem die Konfrontation mit der NS-Dikatur. Die Lyrikerin Gerdrud Kolmar und die Juristin Etty Hillesum haben diese Zeit nicht überlebt. Der Romanist Victor Kleperer lebte bis 1960 in der DDR.
Ihre Texte sind Zeitzeugnisse und persönliche Verarbeitung erlebter Lebensbedrohung. Aus der Sicherheit und Freiheit des Theologischen Seminars Basel blicke ich in die Zelle, in die Lagerbarake und in ihr Gotteserleben inmitten der Traumatisierung. Ist es angemessen, aus dieser Perspektive Einsichten über meine Gotteserfahrung zu gewinnen? Sie kämpften um «neue Wörter, die noch längst nicht geboren sind» und werfen damit Licht aus dunkelsten Stunden in meine Tage. Das ist ihre Hoffnung: «Ich würde gerne am Leben bleiben, um die neue Zeit vorbereiten zu helfen und das Unzerstörbare in mir für die neue Zeit aufzubewahren, die sicherlich kommen wird. Sie kommt täglich näher, ich spüre es doch.»
Ihre Stimmen zu hören ist Last und Verantwortung. Und Lust: Nichts drängt mich mehr zur Hoffnung als ihre Bilder, ihre Leere, ihr eigener Gott. Unzerstörbar sind sie geblieben, für die neue Zeit. (Zitate im Text von Etty Hillesum)
Der du dies liest, gib acht;
Denn sieh, du blätterst einen Menschen um.
Doch ist es dir aus Pappe nur gemacht,
Aus Druckpapier und Leim, so bleibt es stumm
Und trifft dich nicht mit seinem großen Blick,
Der aus den schwarzen Zeichen suchend schaut,
Und ist ein Ding und hat ein Dinggeschick.
(Gertrud Kolmar)